Der Kauz

Der Kauz

 

Es war einmal ein Kauz, der ganz allein in einer Seilbahnstütze lebte. Er war 25 Monate jung und wünschte sich nichts sehnlicher als eine Käuzin, die mit ihm die Seilbahnstütze und natürlich das Leben teile.
Nur war der Kauz eben ein eigenartiger Kauz, denn er hatte ein Problem – und das lautete: zwei Schritte machen. Er traute sich einfach nicht zwei Schritte zu machen, die er aber gehen müsste, um sein Blickfeld zu erweitern und vielleicht die ersehnte Käuzin zu erspähen. Um diese seine Zwei-Schritte-Phobie zu überwinden, beschloss er, sich etwas Neues einfallen zu lassen. Er machte einfach drei Schritte nach hinten und dann fünf Schritte nach vorne und gelangte so tatsächlich an den Platz, wo er hinwollte, nämlich hinaus aus dem Zentrum der Seilbahnstütze.
Hier nun erhoffte er sich, den Blick einer Käuzin zu erhaschen. Würde er sie finden und mit ihr für immer und ewig glücklich sein? Neugierig und erwartungsvoll sah er sich um – nur nicht daran denken, wo er gerade stand, die Zwei-Schritte-Phobie war gnadenlos, doch nun hatte er sich schon so weit nach vorne gewagt und wollte natürlich auf keinen Fall mehr zurück.
Voller Begeisterung entdeckte er so viel Neues und Interessantes, dass er sich wohl fühlte wie nie zuvor. Ach, hätte er diese zwei Schritte doch früher gewagt! Nicht satt sehen konnte er sich an dieser neuen Welt, musste lachen und weinen zugleich, er sprang in die Höhe und stieß aus seinem tiefsten Inneren einen Schrei aus, der von allen Seiten widerhallte und alles erbeben ließ: KKKKKAAAAUUUUUZZZZZ.
Noch bevor er irgendwie wahrnehmen konnte, was um ihn passierte, war er schon umgeben von einer Käuzinnen-Schar, die wohl dem Schrei in Sekundenschnelle gefolgt war. Träumte er? Nicht satt sehen konnte er sich an all diesen Käuzinnen und wollte von jeder mehr erfahren. Er erfuhr bald, dass auch sie einsam in ihren Seilbahnstützen lebten und dort ihre Phobien pflegten. Doch von diesem Augenblick an würde alles anders sein, sie waren nicht mehr allein und der Kauz wusste, eines Tages würde eine von ihnen seine Käuzin sein, und schon beim bloßen Gedanken drang aus ihm wieder dieser Schrei: KKKKKAAAAUUUUUZZZZZ!!!!!
Die Käuzinnen stimmten sogleich mit ein und der Gesang ließ wieder alles um sie erbeben. Sie mitsamt all ihrer Phobien waren nun nicht mehr allein, vorbei war es mit dem eigenbrötlerischen Dasein. Immer wieder luden sie sich gegenseitig in ihre Seilbahnstützen ein und immer wieder erhallte ihr gemeinsamer Freudenschrei: KKKKKAAAAUUUUUZZZZZ!!!!!
Von da an erbebten die Seilbahnstützen bei jedem Schrei und wenn die Seilbahn darüber fährt und man genau hinhört, kann es jeder erkennen ... und wir wissen: Kauz und Käuzinnen sind einfach nur glücklich!

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