Sealele, duck di!

Sealele, duck di!

 

Aus den reichen Vigiljocher Quellen sprudelt seit jeher kostbarstes Mineralwasser, das über Leitungen ins Tal gebracht und, mit der Etikette „Meraner Mineralwasser“ versehen, per Seilbahn wieder aufs Vigiljoch hinaufgebracht wird. Seinerzeit kostete so eine Flasche 200 Lire, ein Viertel Roter kostete ebenfalls 200 Lire, und somit gaben Einheimische und Gäste ihr Geld lieber für den Wein aus.

Ohne näher auf die Gründe dafür eingehen zu wollen, war es auch der Wein – und nicht das Wasser –, der Stoff für unvergessliche Erlebnisse und zahllose Anekdoten geliefert hat. „A Meter vor“, streckten sich Genussfreudige die Gläser entgegen, „a Meter z’ruck“ zum Mund, und dann „hau ruck“, – zuvor aber noch der eilige Warnruf „Sealele, duck di! Iaz kimp a Plotscher“, der sich in etwa so übersetzen ließe: „Oh du meine Seele, nimm dich in Acht! Jetzt kommt ein kräftiger Guss.“

„Wegen Mulistallrenovierung geschlossen“ prangerte eines Tages an der Tür zu jener Gastwirtschaft, in der normalerweise jeden Abend Seelen intensiv mit dem sich Ducken beschäftigt waren. Dem Wirt war es wohl auch einmal zu viel geworden, und so hatte er die Einheimischen, die er zur Unterhaltung der Gäste ansonsten stets willkommen hieß, einfach aus seinem Lokal ausgesperrt. Als prompte Retourkutsche für diese Frechheit malten die Pawigler dem Wirt – böse Zungen behaupteten ja, dass er seine Tiere mehr liebte als seine Gäste – die vielsagende Aufschrift auf die Eingangstür.

Rund um den schmucken Kachelofen, der auch heute noch die Stube ida wärmt, hat sich so Einiges zugetragen, an dem Fritz, von Beruf Hausmeister und von Berufung Mann mit viel Phantasie, sich immer wieder mit viel Freude beteiligte. Oswald und Hias mussten schon ein bisschen was intus gehabt haben – jedenfalls haben sie nicht bemerkt, dass ihnen Fritz unter dem Tisch die Schuhbänder zusammengebunden hat. Als einer von ihnen aufstehen wollte, um seine Notdurft zu verrichten, saß er fest und schimpfte verzweifelt „i kimm nimmer weg!“ Unfähig, ihren Kopf noch hinunterzubeugen, hat es dann noch eine Ewigkeit gedauert, bis die beiden dahinter kamen, worin die Ursache für ihre Unbeweglichkeit lag – und natürliche eine weitere Ewigkeit, um sich loszubinden.
Ein unterhaltsames Spiel, für das reichlicher Konsum guten Weins ebenfalls unabdingbar war, hieß „Franz Klammer und Gustav Thöni“. Dabei mussten sich Trinkfeste auf die Ofenbank beim Kachelofen stellen und nach dem Startschuss von der Bank springen und zur Theke laufen. Mit jedem Zieleinlauf, der natürlich gebührend und feuchtfröhlich gefeiert wurde, steigerten sich der Schwierigkeitsgrad des Spiels und die Spannung, ob die beiden Konkurrenten bei der nächsten Runde noch ans Ziel kommen würden.

Eines Abends, nach viel Gesang, Gelächter und „hau ruck“ waren zum großen Entsetzen aller plötzlich sämtliche Flaschen leer. Doch Wirt und Gäste ließen sich davon den Spaß nicht verderben und stimmten fröhlich das „Wasserfest“ an. Jetzt kam endlich einmal das gute alte Vigiljocher Quellwasser zum Zug, das sie in ihre Schnapsgläser füllten und mit dem sie ebenso lustig weiterfeierten. Und das gab es an jenem Abend sogar frei Haus.

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